Am 15. Juli 2025 hat der Gemeinderat mehrheitlich gegen die Umwandlung der Stöckachschule in eine Ganztagesschule gestimmt.
Freie Wähler, FDP und Bürgerstimme Winnenden haben sich gegen das pädagogisch fundierte Konzept ausgesprochen. Eine einzige Stimme hat am Ende gefehlt.
Wir als SPD-Fraktion bedauern diese Entscheidung ausdrücklich.
Zwei Jahre intensive Vorbereitung durch das Kollegium der Stöckachschule – unterstützt von der Schulkonferenz – wurden dadurch zunichte gemacht.
Dabei war das vorgeschlagene Modell eine moderate Form der Ganztagsschule, mit nur drei verbindlichen Tagen. Für uns wäre das ein kluger und verantwortungsvoller Schritt gewesen – aus sechs guten Gründen:
1. Bildungsgerechtigkeit stärken
Die Stöckachschule hat einen Migrationsanteil von 45 %. Viele Kinder leben in beengten Wohnverhältnissen ohne ruhigen Lernort. Eine Ganztagesschule mit rhythmisierter Struktur bietet diesen Kindern verlässliche Förderung und Chancengleichheit. Es bietet für alle Kinder eine Chance zum gemeinsamen lernen und erleben unabhängig von der sozialen Herkunft.
2. Verlässliche, kostenfreie Betreuung
Die Ganztagesschule ist kostenfrei – anders als außerschulische Betreuungsangebote wie die „Rote Tomate“. Das ist eine wichtige Entlastung für einkommensschwache Familien.
3. Der Bedarf ist da
Mehr als 50 % der kommenden Erstklässler im Schulbezirk der Stöckachschule sind bereits für Betreuungsangebote angemeldet. Der Bedarf nach geregelter Tagesstruktur ist deutlich erkennbar.
4. Kein Ausschluss der Wahlfreiheit
Winnenden hätte weiterhin Halbtagsangebote an anderen Grundschulen angeboten – z. B. an der Hungerbergschule. Eltern hätten also weiterhin die Wahl gehabt.
5. Positive Erfahrungen aus anderen Schulen
Die Kastenschule zeigt, dass Ganztag auch in Winnenden funktioniert – dort verbindlich an vier Tagen. Das Konzept an der Stöckachschule war mit drei Tagen sogar flexibler.
6. Europa zeigt: Es funktioniert
Skandinavische Länder, Frankreich oder die Niederlande setzen seit Jahrzehnten auf Ganztag – mit nachweisbar besseren Bildungsergebnissen. Diese Systeme orientieren sich an den Bedürfnissen der Kinder – nicht an alten Strukturen.
Wir danken der Schulleitung und dem Kollegium der Stöckachschule für ihren Einsatz.
Auch wenn die Entscheidung gegen den Ganztag ein Rückschritt war, bleiben wir dabei:
Ganztag ist kein ideologisches Projekt, sondern ein Instrument für gerechtere Bildung.
Wir werden uns weiter dafür einsetzen.