Alte Kelter: Verkehr der Zukunft

 

Professor Dr. Christoph Hupfer:

„Die Lösung liegt in uns, nicht in anderen Autos“


Natürlich ging es irgendwann auch um die Frage, ob kostenloses Parken in Winnenden noch zeitgemäß ist, aber zunächst ging es um das Eingemachte – um die schöne neue Welt des Autofahrens, in die gerade Milliarden fließen: saubere Elektromotoren auf unseren Straßen und sichere Autos, die über Kreuzungen ohne Ampeln flitzen, denn kein Mensch am Steuerrad bricht mehr die Verkehrsregeln.

 

Wer da auf Einladung der SPD Winnenden in der Alten Kelter in Winnenden sprach, war Professor Dr. Christoph Hupfer aus Karlsruhe, ein ausgewiesener Verkehrsexperte, der über Mobilität in Sao Paulo oder Kopenhagen genauso selbstverständlich referiert wie über die in Ingelfingen. Er ist seit 2001 Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und entwickelte dort seit 2012 den Studiengang Verkehrssystemmanagement.

 

Und er ließ in der Alten Kelter keinen Zweifel daran, dass es mit selbstfahrenden Elektroautos gerade nicht besser wird mit dem Verkehr, denn das Ergebnis werde der gleiche Stau in anderen Autos sein. Noch schlimmer: Auch für das Klima sieht Prof. Hupfer keine Trendwende. Die Klimabilanz eines Elektroautos ist heute kaum besser als die eines Benziners, weil im gegenwärtigen Strom viel Kohle drinsteckt. Tatsächlich ist der Verkehr insgesamt der Sektor in Deutschland, bei dem sich in Sachen Klimaziele nichts bewegt hat. Der Ausstoß von Treibhausgasen durch den Verkehr hat sich seit 1990 um 1 Prozent erhöht, während die Industrie als Spitzenreiter ihren Ausstoß seitdem um 37 Prozent gesenkt hat, so seine Zahlen.

 

Das Fazit des Verkehrsexperten: „Die Lösung liegt in uns, nicht in anderen Autos.“ Eine andere Art von Mobilität sei nötig, unterstrich Prof. Hupfer. Es müssten neue Bedingungen geschaffen werden, unter denen die Menschen die vielfältigen Verkehrsmittel frei kombinieren können: die Bahnen, sie sind die effizientesten Verkehrsmittel, mit Bussen, Mieträdern, Auto, usw. Alle gelenkt durch ihr Smartphone, die das gerade passende Verkehrsmittel zeigen. Zu diesem Verkehr der Zukunft gehörten ein attraktives Angebot aller Anbieter unter einem Dach, verlässliche Verknüpfungen, die Umverteilung von Flächen z.B. zu Gunsten des Busses, mehr ‚freie Fahrt‘ für Fußgänger und schließlich auch ein Schülerverkehr, der die jungen Leute nicht lebenslänglich vom öffentlichen Nahverkehr abschreckt.

 

Für die letzten Meter wird der Verkehrsteilnehmer der Zukunft zum Fußgänger. Für diejenigen, die dieser Gedanke entsetzt, hatte der Professor einen drastischen Zahlenvergleich parat: In Deutschland führen 308.000 Verkehrsunfälle mit Personenschäden zu 3.500 Verkehrstoten, aber von 219.000 Herzinfarkten enden 49.000 tödlich. Und nur drei Stunden Bewegung in der Woche senken das Infarktrisiko schon um 25 Prozent.

 

In der abschließenden Diskussion in der Alten Kelter wurde die Perspektive des Karlsruher Verkehrsplaners auf Winnenden projiziert. Verlässlichkeit, wenn die S-Bahn verspätet und der Anschlussbus weg ist. „Sie sind der Besteller!“, macht Prof. Hupfer klar. Region und Kommunen legen die Qualitätsstandards für die Anschlüsse fest. Mietfahrräder in Winnenden: Das Fahrrad hat für den vernetzten Verkehr der Zukunft einen hohen Stellenwert. Selbst in Kleinstädten gebe es schon gute Erfahrungen damit, Fahrräder irgendwo in der Stadt zur Verfügung zu stellen, die irgendwo abgestellt werden und per Handy vom nächsten Nutzer gefunden werden. Feste Stationen seien zu umständlich. Und Parkgebühren: Sie senken die Nachfrage, sagte Hupfer und meinte: „Wenn das Interesse am Einzelhandel an einem Euro Parkgebühren hängt, haben Sie ein anderes Problem.“

 

 

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